Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen

Hyperthyreose der Katze

Die Schilddrüse ist ein Organ, das die Hormone Thyroxin (T4), Trijodthyroxin (T3) und Calcitonin produziert. Sie sitzt am Hals unterhalb des Kehlkopfes und ist bei unseren Haussäugetieren zweigeteilt rechts und links der Luftröhre im Gegensatz zum Menschen, wo sie in Schmetterlingsform vor der Luftröhre liegt und in Verbindung steht. Die Hauptfunktion der Schilddrüse ist die Speicherung von Jod aus der Nahrung und der Produktion von jodhaltigen Hormonen. Diese Hormone spielen eine wichtige Rolle für den Energiestoffwechsel und das Wachstum einzelner Zellen und des gesamten Organismus. Deshalb wird die Schilddrüse auch oft als Kraftwerk des Körpers bezeichnet.

Die Schilddrüsenhormone wirken auf das Herz und den Kreislauf unserer Tiere. Sie führen zu einer Erhöhung der Herzfrequenz, des Blutdruckes und einer Erweiterung von Blutgefäßen. Sie wirken auch auf den Zucker-, Fett- und Bindegewebsstoffwechsel ein indem sie deren Umsatz steigern. Die Hormone steigern die Aktivität der Darmmotorik und die Erregbarkeit der Zellen des Nervensystems. Alles in Allem steigern Schilddrüsenhormone den Energieverbrauch und den Grundumsatz des Organismus, womit auch die Körpertemperatur ansteigt.

Die Schilddrüsenüberfunktion oder auch Hyperthyreose ist die häufigste hormonelle (endokrine) Erkrankung der Katze und trifft häufig ältere Katzen ab einem Alter von 8 Jahren, aber auch schon jüngere Tiere können erkranken. Das Geschlecht und/oder die Rasse spielen dabei keine Rolle. 99% der Fälle von Schilddrüsenüberfunktion sind auf eine gutartige (benigne) Hyperplasie des Gewebes zurückzuführen. Diese Vergrößerung führt zu einer vermehrten Produktion der Schilddrüsenhormone. Die Ursache ist nicht bekannt, möglicherweise spielt die Ernährung, Umwelteinflüsse oder genetische Mutationen eine Rolle.

Symptome

Die Symptome sind unterschiedlich und ihre Ausgeprägtheit ist abhängig von der Dauer der Erkrankung. Die meisten erkrankten Katzen fallen dadurch auf, dass sie immer mehr an Gewicht verlieren obwohl sie immer mehr zu fressen scheinen. Viele Tiere neigen zu Unruhe und manchmal aggressivem Verhalten, auch putzen sie sich weniger und fallen dann durch schlechten Haut- und Fellzustand auf. Außerdem leiden diese Patienten oft an Erbrechen und Durchfall und beim Tierarzt fällt dann typischer Weise bei der Auskultation ein so genannter „Galopprhythmus“ des Herzen, eine Tachykardie, auf. Diese Tiere ermüden auch schneller und fallen manchmal durch Atembeschwerden auf. Folgen dieser Probleme sind Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz und Hypertonie, was die Abgrenzung zu diesen Erkrankungen oft schwierig macht. Was soll man also tun? Um eine Schilddrüsenüberfunktion festzustellen sollten Sie Ihren Hauttierarzt aufsuchen. Dieser kann bei einer Vergrößerung der Schilddrüse diese am Hals fühlen, denn die Schilddrüse ist eigentlich nicht zu spüren. Außerdem sollte ein großes Blutbild und eine Bestimmung des T4-Wertes im Blut durchgeführt werden.

Ihre Katze hat eine Hyperthyreose, was nun?

Bevor an eine Therapie gedacht werden kann, muss Ihre Katze zwingend auf weitere Erkrankungen untersucht werden, besonders Nierenerkrankungen, systemische Hypertonie und Herzerkrankungen müssen erkannt und parallel behandelt werden. Aber was kann man gegen die Überproduktion der Schilddrüsenhormone machen, wie kann man sie behandeln?

Grundsätzliche gibt es vier Wege die man einschlagen kann, jedoch gilt für jeden Patienten die beste Variante erst herauszufinden: medikamentöse oder chirurgische Therapie, spezielles Futter oder Radiojod-Therapie. Die chirurgische Therapie ist nur dann sinnvoll, wenn eine der beiden Schilddrüsen deutlich vergrößert ist und damit als Auslöser des Problems ausfindig gemacht werden kann. Die betroffene Schilddrüse kann dann chirurgisch entfernt werden und in der Regel kann auf weitere Medikamente verzichtet werden. Ist keine der beiden Drüsen vergrößert oder gar beide ist eine medikamentöse Therapie vorzuziehen. Es sind von mehreren Herstellern mittlerweile gute Präparate zur Reduzierung der Hormonproduktion auf dem Markt und es kommt zum Glück nur selten zu Nebenwirkungen wie Inappetenz, Erbrechen, Unlust oder Probleme des Leberstoffwechsels. Seit ca. einem Jahr ist auch ein Futtermittel auf dem Markt, dessen Prinzip darauf basiert, das der Katze über die Nahrung nur sehr begrenzt Jod angeboten wird und dadurch die Produktion reduziert wird, leider ist die Akzeptanz bei den Katzen sehr gering! Bei der Radiojod-Therapie wird das Radiojod (131I) selektiv von dem hyperaktiven Schilddrüsengewebe aufgenommen, welches dadurch zerstört wird. Diese Therapie wird nur in sehr wenigen Kliniken überhaupt durchgeführt, da sie strengen Strahlenschutzbestimmungen unterliegt und auch sehr teuer ist, allerdings hat sie eine Erfolgsquote von >95%. Ein Nachteil ist, dass es Wochen bis Monate dauern kann bis das unveränderte Gewebe seine Arbeit wieder aufnimmt und solange Schilddrüsenhormone zugeführt werden müssen.

Ohne Behandlung sterben Katzen mit einer Schilddrüsenüberfunktion im Allgemeinen an einer gleichzeitig bestehenden Nierenerkrankung, Herzerkrankung, Lebererkrankung oder systemischen Bluthochdruck. Mit Behandlung besteht in der Regel eine gute Prognose, abhängig davon wie schnell die Krankheit erkannt wird und wie schwerwiegend die Auswirkungen auf Niere, Herz und Kreislauf schon sind. Vorbeugen kann man der Erkrankung leider nicht wirklich, da der Auslöser unbekannt ist. Deshalb sollten besonders ältere Katzen regelmäßig von ihrem Haustierarzt auf „Herz und Nieren“ untersucht werden.